Re: Wozu denn überhaupt noch mechanische Festplatten? - Enttäuschung über Hybrid-Festplatten
> Es kann durchaus sein daß Silizium (oder andere) “Platten”
> eines Tages die Festplatten ablösen — derzeit haben die
> Festplatten aber massiv die Nase vorn. Und es ist ja nicht
> so daß duie Entwicklung bei den Festplatten stehen bleibt:
> sicherlich gibt es in 5 Jahren größeres Flash, aber genauso
> gibt es in 5 Jahren auch größere (und schnellere) Festplatten…
>
> Ich habe noch Festplatten mit 100MB, 200MB und 9,1GB
> rumliegen — wenn es damals die heutigen Flash-Speicher
> gegeben hätte dann hätten die Leute die Platten schnell
> weggeworfen. Gab es aber nicht — und als es die Flash-
> Speicher dann gab waren die Platten um Größenordnungen
> größer geworden.
Worauf ich hinaus möchte, ist, dass in den letzten zwei Jahren die
Preise für Flash-Speicher weitaus _schneller_ gefallen sind als die
für Festplattenspeicher (mehr als 50% pro Jahr). Natürlich sollte man
immer vorsichtig dabei sein, solche Entwicklungen in die Zukunft zu
extrapolieren, aber theoretisch wird irgendwann der Punkt erreicht
sein, ab dem das GB Flash-Speicher _weniger_ kostet als der gleiche
Platz auf einer HDD. Spätestens dann wird aber niemand mehr
Festplatten haben wollen, da diese gegenüber Flash abgesehen vom
Preis fast nur Nachteile mit sich bringen.
Dieser Punkt ist übrigens für die kleinsten Festplatten, die
Microdrives, bereits erreicht: Ein Microdrive kostete, kurz bevor es
vom Markt genommen wurde, geringfügig mehr als das Äquivalent an
Flash-Speicher. Darauf konnte der Hersteller aber nicht durch
Preissenkungen reagieren, weil komplexe Feinmechanik - im Gegensatz
zu Siliziumchips - nicht fast beliebig günstig hergestellt werden
kann.
Große Anteile der Herstellungskosten einer mechanischen Festplatte
entfallen auf Posten, bei denen kaum noch eingespart werden kann -
allein der Materialwert einer Festplatte (solides Eisengehäuse,
Metallscheiben) ist nicht zu verachten. Einen Flash-Chip kann ich
hingegen im Preis fast beliebig drücken, wenn nur die Stückzahl groß
genug ist, was dazu geführt hat, dass es inzwischen komplette
USB-Flash-Sticks für 5 EUR im Einzelhandel gibt (inkl. Steuern,
Händlermarge, Verpackung und Transport). Bei einem solchen Stick
dürften die reinen Herstellungskosten für den Chip kaum mehr als 50
Cent ausmachen. Ich kann aber keine 256-MB-Platte bauen und die für 5
EUR verkaufen. Die Fixkosten wären gegenüber einer 256-GB-Platte fast
die gleichen.
Es gibt noch eine Eigenschaft der Flash-Chips, die wahrscheinlich
langfristig den Festplatten das Genick brechen wird: Sie sind fast
unbegrenzt miniaturisierbar. Es gibt bereits Micro-SD-Karten mit 2 GB
Kapazität. In das Volumen einer 2,5″-Festplatte würden bereits lose
mehrere hundert dieser Karten hereinpassen, wenn man sich das Gehäuse
und die Zuleitungen wegdenkt, natürlich noch viel mehr. Und die
Entwicklung bleibt nicht stehen. Das Problem der langsamen
Transferraten lässt sich lösen, indem einfach mehrere Controller
eingesetzt werden - der Zugriff auf die Flash-Chips ist ja fast
unbegrenzt parallelisierbar. Damit sind interessanterweise auch die
Transferraten fast beliebig steigerbar.
Kurz: Es wird nicht mehr so furchtbar lang dauern, dann wird man mit
Flash-Chips Laufwerke bauen können, die nicht nur sehr viel _mehr_
Kapazität als mechanische Festplatten bieten, sondern auch noch sehr
viel schneller sind. Wenn ein Festplattenhersteller die Kapazität
steigern will, geht das nicht von heute auf morgen, es ist aufwendig
und teuer. Ein SSD-Produzent braucht aber prinzipiell nur mehr Chips
einzubauen. Platz wäre in einem 2,5″-Festplattengehäuse so oder so
mehr als genug dafür.